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Mädchenladen

"Wir sind ein Kiez!" BDP Mädchenladen Spandau

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Politische Bildung im BDP Mädchenladen Spandau

Artikel zu finden auf der Seite des BDP Bundesverbandes:

http://bundesverband.bdp.org/blog/wir-sind-ein-kiez-bdp-m%C3%A4dchenladen-spandau



Dem BDP Mädchenladen wurde am 18.Mai´09 von Franz Müntefering der Spandauer Integrationspreis übergeben

von http://tafel.4haso.de/?p=1802

1. Spandauer Integrationskonferenz

Ich bin gerade von der Veranstaltung mit Franz Müntefering zurück. Die SPD Spandau hatte vor einiger Zeit angefragt, ob sie ihre 1. Integrationskonferenz in unserem Gemeindehaus durchführen konnten. Es gab gute Gründe, diesen Wunsch zu erfüllen. Die Sozis machen in unserem kommunalen Umfeld eine gute und wirksame Integrationspolitik, wie wir aus eigener Anschauung wissen. Wir selbst sind als Gemeinde an diesem Thema dran: In unseren Räumen treffen sich zwei afrikanische Gemeinden, mit denen wir freundschaftlich verbunden sind; wir haben Kontakt zu vielen Kids aus türkischen und arabischen Familien. Außerdem gibt es Bereiche intensiver Zusammenarbeit, wie die Aktion “Stark ohne Gewalt”, von der ich schon früher berichtet habe. Seit kurzem gibt es einen Verein als Träger dieser Initiative, in dem unser Pastor
Vorsitzender ist.
So haben wir unseren politischen Freunden gern unser Haus zur Verfügung gestellt, gemäß einem grundsätzlichen Beschluss, dass unser Gebäude für politische Aktivitäten genutzt werden kann, wenn diese erkennbar auf das Allgemeinwohl gerichtet sind und nicht nur einseitig auf parteipolitische Interessen (auch wenn diese dabei nicht unbedingt
ausgeschlossen sind).
So füllte sich also unser Haus um 16.00 Uhr mit Christen, Moslems, Agnostikern, Atheisten,
Abgeordneten, Stadträten und Franz Müntefering, dem Hauptredner der Veranstaltung. Über
Twitter habe ich einige Notizen festgehalten, anhand derer ich die für mich wichtigen Punkte
der Veranstaltung zusammenfasse. Zu Beginn betonte unser Landtagsabgeordneter Raed
Saleh in seiner Begrüßung, dass Franz Müntefering in letzter Zeit durch sein persönliches
Engagement dem Thema Integrationspolitik in der SPD einen deutlichen Prioritätszuwachs
verschafft hat. Das ist gut. Je deutlicher sich die Partei jetzt in diesen Fragen positioniert,
desto mehr wird davon in spätere eventuelle Koalitionsverhandlungen einfließen müssen.
Anschließend übernahm unser Pastor die Moderation. Er begann mit einem Segensgebet für
unser Land, dass auf unseren Wunsch hin vom Protokoll-Verantwortlichen ins Programm
aufgenommen worden war. Der MdB unseres Wahlkreises Sven Schulz plädierte mit dem
Beispiel seiner spanischen Mutter für eine Ausweitung des Wahlrechts und die Möglichkeit
doppelter Staatsbürgerschaft für Migranten.
Danach stellte ein Polizeibeamter Integrationsinitiativen wie TiK und Stark ohne Gewalt vor.
Hier vor Ort ist die Polizei ein wichtiger und positiver Teil von Aktionen gelebter Integration.
Ein wesentliches Element von Stark ohne Gewalt waren zum Beispiel Unternehmungen, die
zu persönlichen Beziehungen zwischen Polizisten und Jugendlichen “von der Straße” geführt
haben. Es ist heute nichts Ungewöhnliches, wenn in Wohngebieten, wo früher Polizei und
Jugendliche distanziert bis feindselig gegeneinander eingestellt waren, Jugendliche, die auf
der Straße abhängen, bei einem Polizeiauto an die Scheibe klopfen und die Besatzung mit
Vornamen grüßen.
Nach einigen Musikstücken mit und ohne Migrationshintergrund war Franz Müntefering an
der Reihe. Die Punkte, die er ansprach, sind nicht unbedingt neu:
• engagiertes Eintreten gegen Vorurteile
• keine 0-8-15-Integrationspolitik, weil es nicht “die” Migranten gibt, sondern viele
unterschiedliche Menschen, denen es gerecht zu werden gilt
• der Aufstiegswille vieler Migranten ist größer als mancher meint; die größter Hürde
für Integration sind nicht mangelnde Bereitschaft, sondern mangelnde soziale
Rahmenbedingungen (besonders im Bildungsbereich und im Bereich
gesellschaftlicher Teilhabe)
• wenn im Schulsystem die Kinder bessergestellter Familien unter sich bleiben,
“schaffen wir soziale Autisten”
• ein weiteres Plädoyer für die Ausweitung des kommunalen Wahlrechts auf Nicht-Eu-
Bürger und die Möglichkeit doppelter Staatsbürgerschaft
• leichtere und schnellere Anerkennung von Bildungsabschlüssen, die woanders
erworben wurden
Wie gesagt, nicht unbedingt neue Gedanken, die aber durch Müntes Betonung,
Zusammenstellung und Begründung mit einer Nachdrücklichkeit versehen werden, durch die
die SPD an dieser Stelle in die Pflicht genommen ist. Besonders gefreut hat mich, dass er
auch engagiert zum Problem von Flüchtlingen, Bleiberecht usw. Stellung nahm und mehr
Humanität einforderte. Als jemand der eine Reihe betroffener Freunde (aus Afrika und
anderen Gegenden) hat, liegt mir diese Thema sehr am Herzen, weil ich aus eigener
Erfahrung etwas von dem Unrecht weiß, dass diesbezüglich in unserem Land geschieht.
Zum Schluss erhielt der Mädchenladen des Pfadfinderbundes den ersten Spandauer
Integrationspreis für seine gute Arbeit im Kiez. Anwesend war auch Bilkay Öney, die
kürzlich durch ihren Übertritt von den Grünen zur SPD in Berlin eine gewisse
Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie stammt aus diesem Kiez und besuchte als Jugendliche
selbst den Mädchenladen.
Mein Fazit: hier sind Leute am Werk, die in Sachen Integration in unserem Stadtteil etwas
voranbringen. Und die Veranstaltung mit Münte dürfte sie darin ermutigt haben.
Und bevor uns jemand für eine SPD-Gemeinde hält: andere dürfen gern auch mit ihrer
Bundesprominenz bei uns Veranstaltungen durchführen, wenn sie ein Thema haben, dass
erkennbar aufs Allgemeinwohl ausgerichtet ist.
http://tafel.4haso.de/?p=1802

 


Der Mädchenladen Spandau stellt sich vor