BDP Berlin

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Plattform des Bundes Deutscher PfadfinderInnen e.V.

Inhalt

1. Was verstehen wir heute unter Pfadfinderei?


Welche Lernprozesse wollen wir unterstützen und wie?
Den eigenen Pfad suchen
Gemeinsamer Lernprozess


2. Was hat Kinder- und Jugendarbeit mit Gesellschaftspolitik zu tun?


2.1. Soziale Frage
2.2. Ökologie
2.3. Nationale Frage und Internationalismus
2.4. Männerherrschaft und Geschlechterrollen


3. Arbeitsfelder


3.1 Gruppenarbeit
3.2 Offenen Kinder- und Jugendarbeit
3.3 Stadtteilarbeit und dörfliche Gemeinwesenarbeit
3.4 Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen
3.5 Politische Bildung
3.6 Internationale und interkulturelle Arbeit
3.7 Kulturarbeit
3.8 Geschlechtsspezifische Arbeit
3.9 Qualifikation von Ehrenamtlichen


4. Strukturen


4.1 Ehrenamtlichkeit
4.2 Hauptamtlichkeit
4.3 Gremien und innerverbandliche Demokratie
4.4 Offenheit gegenüber freien Initiativen
4.5 Kooperation Ost-West


5. Schlussbemerkung


1. Was verstehen wir heute unter Pfadfinderei?
Welche Lernprozesse wollen wir unterstützen?

Mit Genehmigung der westalliierten Besatzungsmächte gründete sich im Jahr 1948 der Bund
Deutscher Pfadfinder (BDP) als Zusammenschluss von siebzehn Nachfolgebünden aus der
Weimarer Republik.
Beeinflusst durch die Ideen und Methoden des Pfadfindertums, aber auch der deutschen
Jugendbewegung, entstand ein nicht konfessionell gebundener Jugendbund, politisch
„neutral“ und von keiner Erwachsenenorganisation abhängig.
Bedingt durch pädagogische Reformdiskussionen und beflügelt durch die Ideen und
Forderungen der Studentenbewegung veränderte sich der BDP in den sechziger Jahren
grundlegend. Der Verband verabschiedete sich unter großen Turbulenzen von autoritären
Formen und Inhalten der Pfadfinderei, was letztlich zum Ausschluss aus dem
Weltpfadfinderbund führte.
Neue Inhalte und Formen flossen in die Arbeit ein und zogen eine verbandliche
Demokratisierung und Professionalisierung nach sich. Eine breite innerverbandliche
Diskussion führte Mitte der sechziger Jahre zu einer Öffnung des BDP für Mädchen, die sich
im Jahre 1988 auch in der Umbenennung des Verbandes in „Bund Deutscher
PfadfinderInnen“ niederschlug.
Neben dem Traditionsnamen, der die Herkunft des BDP signalisiert, sind viele Aktivitäten,
wie das Singen, Lager und Fahrten, sowie Gruppenarbeit, beibehalten worden, weil sie für
uns inhaltlich vertretbar sind und Spaß machen.
Den eigenen Pfad suchen
Suchten Pfadfinderinnen und Pfadfinder früher, sich in der Natur zurechtzufinden, so gilt uns
dies heute auch für die Gesellschaft. Mehr denn je muss jedes Mädchen und jeder Junge
lernen, sich eigenständig zu orientieren, erkennen, was sie/er will und bedenken, wie dies
durchzusetzen ist, ohne die Freiheit der anderen einzuschränken. Dabei hilft es, die Sinne
auszubilden, verantwortlich mit dem eigenen Körper und seinen Gefühlen umzugehen und
Hände und Kopf gebrauchen zu lernen.
Bei den Aktivitäten des BDP, insbesondere auf Fahrten und Lagern, lernen die
TeilnehmerInnen soziales Verhalten, Eigenständigkeit und den schonenden Umgang mit der
Natur.
Gemeinsamer Lernprozess
Gruppentreffen, Zeltlager und Internationale Begegnungen sind gestaltbare Lern- und
Erfahrungsorte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für TeilnehmerInnen und
TeamerInnen.
Das Erlernen und bewusste Praktizieren demokratischer Grundsätze ist durch das Einhalten
demokratischer Organisationsstrukturen allein nicht möglich. Unter demokratischem
Zusammenleben verstehen wir einen nicht endenden persönlichen Prozess, der in der
Auseinandersetzung mit anderen und der gemeinsamen Gestaltung des Gruppenalltags zum
Ausdruck kommt.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die zu Aktivitäten zusammenkommen, bringen die
unterschiedlichsten Bedürfnisse, Wünsche und Fähigkeiten mit. Die Wahrnehmung und
Darstellung dieser Vielfalt von Verhalten, Meinungen und Reaktionen darf nicht in
Ausgrenzung enden, sondern ist Ausgangspunkt für Auseinandersetzungen um verschiedene Positionen, Macht und Ohnmacht, Verantwortung, formelle und informelle Strukturen.
Das Aushandeln von Kompromissen, sich verabreden und sich an Absprachen halten, muss
immer wieder eingefordert und neu erlernt werden.
Kinder- und Jugendarbeit im BDP ist kein einseitiges Konsumangebot. Kinder- und
Jugendliche werden ermutigt, tragfähige Beziehungen aufzubauen, die es ermöglichen, sich
als ganze Person einzubringen und akzeptiert zu werden, sich selbst und andere ernst zu
nehmen, unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und zu leben, Konflikte zuzulassen
und auszutragen, etwas zu riskieren und Neues auszuprobieren.


Der BDP unterstützt und bestärkt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene darin, diesen
Prozess zu gestalten und widmet ihm bewusst Zeit, Raum, Aufmerksamkeit und
Wertschätzung.
Entgegen der im gesellschaftlichen Alltag erlebten Ungleichheit und Diskriminierung ist der
Grundsatz unserer Arbeit die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen, Frauen und
Männern, Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen, Behinderter und
Nichtbehinderter, Schwuler und Lesben.
Der BDP unterstützt die Entwicklung gleichberechtigter Formen des Zusammenlebens durch
das Bewusstmachen von Ungleichheiten und die Entwicklung und Erprobung von
Alternativen.

2. Was hat Kinder- und Jugendarbeit mit Gesellschaftspolitik zu tun?
2.1 Soziale Frage

Die Stellung und die Achtung der Interessen der Kinder und Jugendlichen in der BRD ist
schlecht. Im Zentrum des Kapitalismus steht die Vermehrung von Besitz und Kapital. Die
Lebensbedingungen der Menschen sind zweitrangig. Es gibt ein Nebeneinander von
wachsendem gesellschaftlichen Reichtum und zunehmender Arbeitslosigkeit und Armut. In
der BRD, einem der reichsten Länder der Welt, leben sieben Millionen Menschen unter der
Armutsgrenze, davon 1,5 Millionen Kinder.
Die von Politikern unermüdlich wiederholte Aussage „Die Zukunft der Gesellschaft ist die
Jugend“ ist eine Phrase, die sich im Handeln der Politik in keiner Weise widerspiegelt.
Die Gesellschaft in der BRD ist geprägt von Massenarbeitslosigkeit, zunehmender Armut,
Sozialabbau, gesundheitlicher Unterversorgung, Intoleranz, Gewalt, mangelnder
Zukunftsperspektive und fehlender solidarischer Orientierung.
Die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen sind nicht losgelöst von den
allgemeinen zu betrachten. Jugendpolitik muss daher immer Querschnittspolitik sein.
Der BDP setzt Schwerpunkte seiner jugendpolitischen Arbeit auf:
• die Vertretung der Interessen und Rechte von und mit Kindern und Jugendlichen
• die Schaffung von Beteiligung und Mitbestimmung
• den Ausbau der Jugendhilfe
• die Schaffung eines kind- und jugendgerechten Lebensumfeldes
• die Verhinderung weiteren Sozialabbaus
• die Unterstützung der Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer beruflichen Perspektiven
Kinder- und Jugendarbeit, die die Interessen und Bedürfnisse erkennt und wahrnimmt, muss
die gesellschaftliche Auseinandersetzung um lebenswerte Bedingungen selbst aufnehmen.
Ein Vertrauen in die Parteipolitik hat sich als falsch erwiesen, die Vertretung der eigenen
Interessen muss selbst wahrgenommen werden. Dabei fühlt sich der BDP mit den sozialen
und partizipatorischen Bewegungen verbunden.

2.2 Ökologie
Ökologie ist kein Thema, dem man sich nur vor dem Hintergrund relativen Wohlstandes
widmen kann.
Es geht uns darum, die Erde für heutige und künftige Generationen mit ihrer Artenvielfalt von
Flora und Fauna zu erhalten und im Rahmen des Möglichen den Regenerationsprozess des
Ökosystems Erde zu unterstützen. Dazu ist es notwendig, sich mit der Natur in allen
Lebensbereichen verantwortungsbewusst auseinander zu setzen.
Der BDP wirkt in der pädagogischen Praxis auf ein verantwortungs- und umweltbewusstes
Handeln hin, ohne die globalen Zusammenhänge aus dem Auge zu verlieren.
Im politischen Raum unterstützt er Initiativen, die sich für eine ökologische Zukunft
einsetzen.
Der BDP ist sich der Grenzen individueller Aktionen bewusst. Das radikale Umdenken, das
von jedem Einzelnen gefordert ist, muss sich auch in der Politik niederschlagen. Deshalb
stellt der BDP die politischen Forderungen nach:
• einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Industrienationen und den Ländern der
sogenannten dritten Welt mit Zielen der sozialpartizipatorischen Bewegungen
• der Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauches
• dem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und Umstieg auf regenerierbare Energien
• der Reduzierung der Schadstoffemissionen
• der schärferen Ahndung von Umweltverbrechen
• umfassenden ökologischen Verkehrskonzepten
• ökologischem Anbau und Herstellung von Lebensmitteln


2.3 Nationale Frage und Internationalismus
Der BDP verschreibt sich in seiner Praxis dem pädagogischen Ziel, dass „Auschwitz sich
nicht wiederhole“. Identitätsfindung durch Ausgrenzung des Fremden, wie es
nationalistischem Denken eigen ist, verurteilen wir.
Über Deutschland lässt sich nicht reden, ohne Verbrechen und Folgen des
Nationalsozialismus mitzudenken. Der BDP ermutigt Kinder und Jugendliche, sich mit der
deutschen Geschichte auseinander zu setzen. In Projekten der historischen Spurensuche
wird die lokale Geschichte zugänglich. Im internationalen Austausch und im Gespräch mit
Zeitzeugen wird das Fortwirken der Geschichte bewusst.
Eine Folge des Nationalsozialismus war die Teilung Deutschlands und die daraus
resultierende unterschiedliche politische und wirtschaftliche Entwicklung der beiden
deutschen Staaten über 45 Jahre. Hier müssen viele Anstrengungen unternommen werden,
um zu einer Verständigung der Menschen aus alten und neuen Bundesländern zu kommen.
Seit der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten stellt sich die „nationale Frage“
verschärft, die beinhaltet, wie sich das neue Deutschland definiert. Jede Definition des
„neuen Deutschlands“ durch autoritäre Tendenzen im Inneren und durch Großmachtstreben
wirtschaftlicher und militärischer Art im Äußeren lehnen wir ab.
Viele Menschen verschiedener Kulturen und Staatsangehörigkeiten wirken beim BDP mit.
Wir arbeiten gegen nationalistische und völkische Tendenzen und für eine tolerante und solidarische Gemeinschaft. Der BDP setzt sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft mit gerechter sozialer Verteilung ein. Ebenso setzt sich der BDP für ein friedliches Zusammenleben ohne Unterdrückung und Ausbeutung der
Menschen weltweit ein und lehnt Außenpolitik mit Unterstützung militärischer Mittel ab.

2.4 Männerherrschaft und Geschlechterrollen
Durch den Mut und das Engagement vieler einzelner Frauen und durch die Frauenbewegung
ist es Frauen gelungen, aus den ihnen zugewiesenen Rollen herauszutreten und aktiv an der
gesellschaftlichen Entwicklung teilzunehmen. Seit Mitte der 80er Jahre und verstärkt seit der
politischen Wende werden die von Frauen erkämpften Freiheiten und Einflussmöglichkeiten
wieder eingeschränkt. Das zeigt, dass Frauen in Zeiten wirtschaftlichen Abstiegs verstärkt zu
den Verliererinnen gehören. Sie werden vom Arbeitsmarkt, insbesondere aus qualifizierten
Berufen, gedrängt, durch fehlende Betreuungseinrichtungen für Kinder gezwungen
unabgesicherte Jobs, Teilzeit- oder Heimarbeit auszuüben. Mädchen finden schwerer
Ausbildungsplätze und haben so weniger die Möglichkeit, ihren Beruf frei zu wählen.
Migrantinnen sind hiervon besonders betroffen, da sie im zweifachen Sinne diskriminiert
werden.
Alternative Lebensentwürfe, wie z.B. lesbische Lebensformen und feministische Positionen
werden zunehmend abgewertet und diffamiert. In den Medien werden frauenverachtende
und antifeministische Berichterstattungen, Meinungen und Parolen unverhohlen wieder
aufgegriffen. Solche Ideologien liefern die Begründung dafür, dass Frauen von der Teilhabe
an der gesellschaftlichen Macht ausgeschlossen werden.
Geprägt von der Gesellschaft befinden sich Jungen und Männer in einer Machtrolle, die
ihnen beginnend mit dem Kleinkindalter von Eltern, Schule, Beruf und Freizeit anerzogen
bzw. zugeschrieben wird. Körperliche Stärke und verbales Durchsetzungsvermögen, das
sich meist durch Lautstärke ausdrückt, führen zu mehr Erfolg als gefühlbetonter Umgang mit
anderen Jungen oder mit Mädchen. Die Aufrechterhaltung des durch die männliche
Dominanz und Konkurrenz geprägten Gesellschaftsmilieus ist die Grundlage männlichen
Erfolgs. Verhalten sich Männer entsprechend dieser Normen, kommen sie in den Genuss
vielzähliger Privilegien. Der Preis dafür ist für einige Männer die Unterdrückung ihrer Gefühle
und individuellen Bedürfnisse, sowie die Unfähigkeit, die eigene Identität zu finden.
Jungen und Männer projizieren deshalb ihre Gefühlswelt und ihre Bedürfnisse auf Macht und
Erfolg in Schule, Beruf oder sozialen Beziehungen. Durch die somit erlangte Anerkennung
versuchen sie, ihre verfälschte Identität zu kompensieren. So werden Strukturen geschaffen,
die Machtkämpfe zwischen Männern und darüber hinaus die Unterdrückung von Mädchen,
Frauen und gesellschaftlicher Minderheiten zur Folge haben.
Für den BDP ist eine Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung im Hinblick auf ihre
Auswirkungen für Frauen und Männer notwendig und sinnvoll, um:

• sich an der Ausarbeitung und Förderung von alternativen Lebens- und Arbeitsmodellen zu
beteiligen
• Mechanismen einzurichten, die ein ausgleichendes Verhältnis in der verbandlichen
Gremienarbeit zwischen Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männern schaffen
• eine Verbesserung der gesetzlichen Bedingungen für eine Gleichstellung zu schaffen
• die verbandseigene Einbindung in eine durch heterosexuelle Normativität geprägte und
danach funktionierende Gesellschaft zu erkennen, zu reflektieren und Alternativen im
Verbandsalltag und Verbandsleben möglich zu machen. Darüber hinaus sollten die
verschiedenen Lebensweisen und -philosophien in andere gesellschaftspolitische Strukturen
weitergetragen werden.

3. Arbeitsfelder
3.1 Gruppenarbeit

Das Kennzeichnende von Gruppenarbeit ist, dass eine relativ feste Gruppe über einen
längeren Zeitraum zusammen ist. Die Beziehungsarbeit in diesem Rahmen spielt bei der
Bearbeitung von Themen/Medien eine wesentliche Rolle. Wesentlich ist:
• Kennen lernen der Eigenarten jedes/r einzelnen
• Verstehen und Akzeptanz
• Vertrauen, Geborgenheit und Offenheit
Dies schafft für die Gruppenmitglieder einen größeren Spielraum, um persönliche
Fragestellungen, Themen und Problemlagen stärker einzubringen.
Es wird nicht eng und ausschließlich an den Themen oder Medien gearbeitet, sondern in der
gemeinsamen Freizeitgestaltung auch wesentlich an den Beziehungen.
Wichtigste Ziele der Gruppenarbeit im BDP sind:
• Förderung der Identitätsstiftung und des Sozialisationsprozesses in der Gruppe, sowie der
Vermittlung und Schaffung eines Gruppengefühls
• Förderung der Selbstorganisation der Gruppe
• Infragestellung von hierarchischen Strukturen und Abbau ihrer undemokratischen Formen
und das Erlernen basisdemokratischen Verhaltens
• Unterstützung und Know-how-Vermittlung bei der Umsetzung einer in oder mit der Gruppe
entwickelten Idee
• Förderung des Selbstbewusstseins und des Gruppengefühls durch gemeinsame
Erlebnisse und über die Präsentation eines „Produktes“
• die Kritikfähigkeit des Individuums und die Auseinandersetzung zwischen
gruppendynamischen und individuellen Ansprüchen zu fördern.
Die Gruppenarbeit im BDP orientiert sich im Arbeitsansatz an drei verschiedenen
Schwerpunkten:
1. Bei der freien Gruppenarbeit sind weder Thema noch Medium vorgegeben. Im
Mittelpunkt steht das Interesse, sich zu treffen und etwas gemeinsam zu
unternehmen. Der „Cliquen"- Charakter und der Wunsch nach gemeinsamer
Freizeitgestaltung sind prägend.
2. Bei der themenorientierten Gruppenarbeit ist der gemeinsame Punkt der Gruppe das
Interesse am Thema. Entsprechende Medien zur Bearbeitung können als Anregung
schon vorgegeben werden oder mit der Gruppe aufgrund ihrer besonderen
Interessenlage entwickelt oder erarbeitet werden.
3. Bei der medienorientierten Gruppenarbeit steht das Interesse am Medium (z.B. Foto,
Video, Musik, etc..) im Mittelpunkt. Die Themen zur Bearbeitung werden in der
Gruppe entwickelt und herausgearbeitet.
Eine statistische Abgrenzung dieser Schwerpunkte findet nicht statt, vielmehr ist im
Entwicklungsprozess der Gruppe eine dynamische Vermischung wünschenswert.

3.2 Offene Kinder- und Jugendarbeit
Offene Arbeit findet im BDP z.B. auf Abenteuerspielplätzen, durch den Einsatz von
Spielmobilen oder in Jugendzentren mittels kurzzeitpädagogischer Maßnahmen statt. Diese
Projekte bieten Kindern und Jugendlichen Raum für die Entwicklung und Realisierung
eigener Ideen. Sie ermöglichen Angeboten nachzugehen oder eigenen Interessen
nachzugehen.
Diese Arbeit orientiert sich an den vom BDP formulierten Zielen:
• Für die Prinzipien der Selbstverwaltung zu sensibilisieren und den Umgang damit zu
erlernen
• Die Vertretung der eigenen Interessen wahrzunehmen
• Solidarisches Handeln einzuüben
• Kritikfähigkeit zu fördern
Sie wird oft von jungen Erwachsenen initiiert, die der Jugendgruppenarbeit entwachsen sind
und weiter im Verband aktiv bleiben wollen.
Die offene Arbeit entwickelte sich aus dem Anspruch des BDP, die stark
mittelschichtorientierte Jugendverbandsarbeit auch den gesellschaftlich benachteiligten
Kindern und Jugendlichen zu öffnen.
Für diese sind Projekte oftmals zentrale Anlaufstelle bis hin zum Familienersatz. Diese
Zielgruppenerweiterung erfordert vor allem im Kinderbereich eine hauptamtliche Betreuung.
In den Jugendzentren und Jugendcafés nimmt das Erlernen und Praktizieren der
Selbstverwaltung einen großen Raum ein. Dieser „offene Raum“ bietet unter anderem die
Möglichkeit, den BDP kennen zu lernen und auch Anlaufstelle zu sein, als Clique/ Gruppe
Kontakte zu knüpfen. Für Kinder und Jugendliche, die sich nicht auf eine feste Gruppenarbeit
festlegen wollen, bietet der BDP die Chance trotzdem aktiv zu werden
3.3 Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen
Die Kenntnisse und Einsichten, die sich aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit ergeben,
ebnen den Weg zur sensiblen Sozialarbeit innerhalb der Freizeitpädagogik des BDP. In der
offenen Projekt- und Gruppenarbeit bewerten die TeamerInnen sogenanntes
gesellschaftliches Fehlverhalten nicht, sondern bieten sich an, zu beraten, beim Umgang mit
Behörden vermittelnd zu helfen, zu unterstützen, zu begleiten, sowohl bei schulischen,
familiär-erzieherischen, als auch finanziellen Problemen.
Sozialarbeit wird hier verstanden als seriöser Umgang mit entgegengebrachtem Vertrauen,
persönliche Informationen werden streng vertraulich behandelt. Dem ganzheitlichen Ansatz
entsprechend, bildet Sozialarbeit einen Teil interdisziplinärer Zusammenhänge mit
Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit.
Einen Teil dieser Sozialarbeit stellt das betreute Jugendwohnen dar.
Jugendwohngemeinschaften bieten eine Alternative für Jugendliche, denen komplizierte
Familienverhältnisse mit zerstörerischen Strukturen das Leben zu Hause unmöglich machen.
Sie haben in einer WG die Möglichkeit, bei beratender Begleitung sich selbst zu finden und
neu zu orientieren. Sozialarbeit heißt hier, einen Bezugsrahmen aufzubauen, der von
Offenheit und konstruktiver Auseinandersetzung geprägt ist, in dem gemeinsame Strukturen
und Regeln für das Zusammenleben geschaffen werden, als Basis für eine Entwicklung hin
zu einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben.
Ein weiteres Arbeitsfeld ist die ambulante Erziehungshilfe mit dem Ziel, Fremdunterbringung
zu vermeiden. Sie steht somit als Hilfsangebot vor der teilstationären und stationären
Heimunterbringung. Die Entwicklung des Kindes wird positiv unterstützt. Der Verbleib in der
Familie soll gesichert werden. Um Stigmatisierung aufzubrechen, findet diese Arbeit bewusst im Rahmen Jugendverband statt. Die gesamtverbandlichen Zusammenhänge ermöglichen es, ein strukturiertes Umfeld zu schaffen und die Integration zu fördern.
Ein weiterer Teil der verbandlichen Sozialarbeit ist die integrative Arbeit mit Behinderten und
nicht behinderten jungen Menschen. Hierbei fordert der BDP die vollständige Partizipation
und Selbstbestimmung Behinderter im öffentlichen wie im privaten Leben und unterstützt die
Entwicklung und Organisation von individuellen Betreuungs- oder Assistenzmodellen, die
den Lebensumständen Behinderter angemessen sind. Jugendliche und junge erwachsene
Behinderte unterstützt der BDP beim Ablösungsprozess aus einer oftmaligen Überbetreuung
im Elternhaus oder institutioneller Unterbringung. Darüber hinaus bemüht sich der Verband,
alle seine Angebote und Maßnahmen Behinderten zugänglich zu machen.


3.4 Stadtteilarbeit und dörfliche Gemeinwesenarbeit
In langjähriger pädagogischer Arbeit zeigte sich immer deutlicher, dass soziale Beziehungen,
Lebensbedingungen und Lebensräume in die pädagogische Praxis einbezogen werden
müssen.
Zunehmende Entfremdung und fehlende Identifikation mit dem Lebensraum führt zu sozialer
Isolation und Verunsicherung. Rückzug ins Private, passive Konsumhaltung, Aggression und
Gewalt sind Auswirkungen davon.
Eine aktive, gemeinschaftliche Gestaltung ermöglicht hingegen die kritische Identifikation mit
dem Lebensraum und seinem sozialen Gefüge.
Diese Arbeit kann nicht als isolierte Kinder- und Jugendarbeit stattfinden, sondern muss alle
Betroffenen einbeziehen. Sie ist im Ansatz generationsübergreifend und kooperierend.
Zwingend ist daher die Mitwirkung des BDP in regionalen, trägerübergreifenden
Arbeitsgemeinschaften.
In Projekten der „Spurensicherung“ fördert der BDP die Erschließung der regionalen
Geschichte und Gegenwart und ermutigt zu Gesprächen zwischen den Generationen. Durch
die Mitwirkung in Bürgerinitiativen, an Kinder- und Jugendhilfeplanung, mit Zeitungs- und
Theaterprojekten, sowie an Stadtteil- und Dorffesten setzt sich die Verbandsarbeit mit dem
öffentlichen Leben auseinander und gestaltet es mit.


3.5 Politische Bildung
Politische Bildung rückte im BDP der siebziger Jahre, als man sich von der „neutralen“ und
unpolitischen Haltung der traditionellen Pfadfinderei verabschiedet hatte, ins Zentrum der
Aufmerksamkeit und Aktivitäten.
Politische Bildung darf nicht mit Parteipolitik verwechselt werden. Sie beinhaltet vielmehr die
Aufklärung über gesellschaftliche Zusammenhänge, historische und soziale Hintergründe,
öffentliche Angelegenheiten, Machtstrukturen und somit all das, was man an Information und
Wissen braucht, um das gesellschaftliche Leben zu verstehen und auch durch Aktionen
beeinflussen zu können.
Bis heute ist uns im BDP die politische Bildung ein zentrales Anliegen. Die Bedingungen und
Formen der traditionellen und direkten politischen Einflussnahme des BDP durch Camps und
Aktivitäten, wie in der sozialen, der Anti-Atomkraft, der Friedensbewegung und der neuen
Frauenbewegung haben sich über die Jahre weiterentwickelt. Der BDP ist heute dort im Sinne politischer Bildung erfolgreich, wo in der Gruppenarbeit, der offenen Arbeit, der Kulturarbeit und bei Freizeiten immer wieder nach politischer
Auseinandersetzung gesucht wird. Ansätze dafür bieten je nach Situation die Bedürfnisse
und Alltagserfahrungen der Kinder und Jugendlichen.


3.6 Internationale und Interkulturelle Arbeit
Der BDP begreift internationale und interkulturelle Arbeit als einen Teil seiner täglichen
Aktivitäten. Der Umgang mit dem Fremden ist heute verstärkt geprägt von Angst und
Vorbehalten. Diese bewusst zu machen, kritisch zu hinterfragen und abzubauen ist
wichtigstes Ziel. Im täglichen Miteinander und im internationalen Jugendaustausch setzt sich
der BDP gegen Diskriminierung und Benachteiligung ein. Der Grundgedanke internationalen
Austauschs ist die Herstellung und Pflege des persönlichen Kontakts und die konstruktive
Auseinandersetzung mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden anderer.
Dies erfolgt klassischerweise durch die „Große Fahrt“ oder durch die vielfältigen
internationalen Jugendbegegnungen im In- und Ausland. Durch Aufarbeitung der gemachten
Erfahrungen ergibt sich die Chance, einen kritischen Umgang mit der eigenen Kultur zu
entwickeln.


3.7 Kulturarbeit
Kulturarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des BDP. Sie trägt durch ihre
Produktions- und Arbeitsprozesse zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung
wesentlich bei – durch die Einbeziehung des Verstandes, des Körpers, der Gefühle und der
Sinne.
Kulturarbeit im BDP bedeutet, Freiräume zu eröffnen und zu erhalten, um eingefahrene
Denk- und Handlungsspielräume zu erweitern. Es sind Probierfelder, in denen mit
Ausdrucksformen eigenständig experimentiert werden kann und durch welche über das
Probehandeln hinaus individuelle und kollektive Mitgestaltungs- und Handlungskompetenzen
für das gesellschaftliche Leben gefördert werden.
Eine Besonderheit der Kulturarbeit ist die Präsentation sichtbarer Ergebnisse. Sie schafft
Selbstvertrauen, markiert einen Standpunkt und lädt zu Auseinandersetzungen ein. Damit
wirkt Kulturarbeit auch in das „echte“ Leben hinein. Sie macht neugierig und stellt eine
Öffentlichkeit für Inhalte und Meinung her.
Kultur selber machen oder selber organisieren ist die Devise – immer mit der Einbeziehung
der Individuen in den Prozess. Dabei kann und will BDP-Kulturarbeit nie Kunst pur sein,
sondern muss sich zwischen künstlerischem Anspruch und gruppendynamischer
Notwendigkeit bewegen. Nicht perfekte Imitation ist das Ziel, sondern das Finden eigener
Ausdrucksformen, deren Lebendigkeit und Echtheit (Authentizität) eine Alternative zur heute
angesagten „coolen“ Gesellschaftsästethik darstellt.


3.8 Geschlechtsspezifische Arbeit
Der Forderung nach Gleichberechtigung und der Anerkennung der Differenz in gleichen
Maße Rechnung tragend, arbeitet der BDP neben koedukativen Ansätzen bewusst und
gezielt in geschlechtsgetrennten Gruppen und mit geschlechtsspezifischen Methoden.
Feministische Mädchenarbeit sowie emanzipatorische Jungenarbeit können und dürfen
allerdings nicht nur im isolierten Raum der geschlechtshomogenen Arbeit Platz und Wert
finden. In der koedukativen Arbeit muss geschlechtsspezifische Arbeit zur Alltäglichkeit
gehören. Das setzt voraus, dass sich alle in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen mit der
geschlechtsspezifischen Sozialisation und der eigenen Rolle als Frau oder Mann
auseinandersetzen.
Ziele der emanzipatorischen Jungen und Mädchenarbeit sollten sein:
• Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für Jungen und Mädchen, unabhängig vom
gesellschaftlichen Rollenbild, zu bieten (Vorbildfunktion)
• Jungen und Mädchen in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen
• Gesellschaftliche Normen und Rollenzuweisungen aufzuweichen
• Reflexionsraum für Jungen und Mädchen zu bieten


3.8.1 Mädchenarbeit
In der Mädchenarbeit findet sich ein Freiraum in verschiedenen Mädchenprojekten
(Mädchenladen, -kulturhaus, -WG) und in gemischten Einrichtungen und Untergliederungen
(Mädchentage, -gruppen). Dort können sich Mädchen losgelöst von eingefahrenen
Strukturen und Hierarchien neu erfahren. In einer von ihnen selbst gestalteten Umgebung
und Atmosphäre haben sie die Chance, sich in anderen Rollen auszuprobieren und sich
darin gegenseitig zu bestärken. So erfahren Mädchen eine Aufwertung ihrer Persönlichkeit
und ihrer versteckten und unterdrückten Stärken. Für die Teamerinnen und Pädagoginnen
setzt das voraus, sich mit der eigenen Rolle als Frau auseinander zu setzen und Vorbilder
anzubieten, die die Mädchen ermutigen, eigene Wege zu gehen.


3.8.2 Jungenarbeit
Jungen haben es schwer, eine eigene Stellung und Identität, manchmal weitab von
gesellschaftlichen Normen und Rollenvorgaben, zu finden. Da sich im BDP immer mehr
Männer mit ihrer Rolle in der Gesellschaft beschäftigen und diese Rolle reflektieren und
hinterfragen, muss sich die emanzipatorische Jungenarbeit in der Arbeit des BDP
schwerpunktmäßig niederschlagen. Der BDP hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Jungen in
ihrer individuellen Identitätsfindung unter Berücksichtigung ihrer persönlichen
Ausgangssituation zu unterstützen und zu bestärken.


3.9.1 Qualifikation von ehrenamtlichen TeamerInnen
Wer auf die Mitarbeit ehrenamtlicher TeamerInnen setzt, muss diese auch entsprechend
qualifizieren.
Dies geschieht durch
• Grundschulung für NachwuchsteamerInnen
Elemente der Qualifizierung, die aus mehreren Wochenenden und Kompaktwochen besteht,
sind Entwicklungspsychologie und Pädagogik, Gesundheit und Umwelt, sowie Rechts- und
Organisationsfragen.
Durch Methoden ganzheitlichen und aktivierenden Lernens wird Selbstreflexion über
Motivation und Zielsetzung angeregt. Als formaler Abschluss wird der
JugendgruppenleiterInnenausweis des jeweiligen Bundeslandes angesehen.
• Fortbildung in TeamerInnenarbeitskreisen
Diese Arbeitskreise dienen der Reflektion und dem Ideenaustausch.
• Themenbezogene Seminare/ spezifische Qualifizierungen
Hierzu gehören zum Beispiel geschlechtsspezifische Arbeit, Rhetorik, Internationaler
Jugendaustausch, Zuschuss- und Abrechnungswissen, Spielmobilpädagogik.

3.9.2 Qualifikation von Strukturehrenamtlichen
Dies geschieht durch
• Fortbildung in Arbeitskreisen
Diese Arbeitskreise dienen der Reflektion und dem Ideenaustausch.
• Themenbezogene Seminare/ spezifische Qualifizierungen
Hierzu gehören zum Beispiel geschlechtsspezifische Arbeit, Rhetorik, Internationaler
Jugendaustausch, Zuschuss- und Abrechnungswissen.
Ziel der Maßnahmen ist eine kontinuierliche sowie BDP-spezifische Kinder- und
Jugendarbeit in Gruppen und Projekten des BDP.

4. Strukturen

4.1 Ehrenamtlichkeit
Der BDP lebt durch die Ehrenamtlichen. Ehrenamtliches Engagement als
GruppenteamerInnen oder Delegierte in verschiedenen Gremien und Vorständen ist
Voraussetzung für die Existenz des Verbandes.
Ehrenamtlichkeit heißt über die bloße Teilnahme hinaus,
• sich freiwillig zu engagieren
• eigene und allgemeine Verbandsinteressen in die Hand zu nehmen
• Verantwortung zu übernehmen (z.B. über die Verbandstätigkeit als ArbeitgeberIn)
Auch im BDP ist die gesellschaftliche Tendenz zu spüren, das die Bereitschaft zu sozialem
Engagement abnimmt.
Wir setzen und dafür ein, dass Ehrenamtliche:
• in ihrer Arbeit Unterstützung, Beratung, Begleitung und innerverbandliche Anerkennung
erfahren
• die Strukturen, in denen sie sich bewegen, auch als angenehmen sozialen
Zusammenhang zu erleben
• motiviert werden, bei der Willensbildung und Entscheidungsfindung im Verband
mitzuwirken.
• auch gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit erfahren


4.2 Hauptamtlichkeit
In den letzen zwanzig Jahren hat die Arbeitgeberfunktion für den BDP an Bedeutung
gewonnen.
Mit der Professionalisierung der Jugendarbeit und der Jugendbildungsarbeit hat der BDP
eine Reihe von Hauptamtlichen eingestellt.
Hauptamtliche dürfen jedoch nicht die ehrenamtlichen Selbstorganisationsstrukturen
ersetzen. Vielmehr liegen ihre Aufgaben in der Schaffung und Förderung ehrenamtlicher
Strukturen sowie der Unterstützung der Gruppen und ihrer TeamerInnen.
Aufgabe der Hauptamtlichen ist hierbei die Ermutigung und Förderung der Kinder und
Jugendlichen hin zur eigenen Interessenvertretung.
In sozialen und gewerblichen Projekten ist jedoch hauptamtliche Arbeit unerlässlich. Sie
allein bietet Gewähr, in sozialen Projekten Kinder und Jugendliche optimal zu fördern. Der
BDP bietet auch Praktika, Ausbildungsplätze und Stellen für das Freiwillige
Ökologische/Soziale Jahr an. Zivildienstplätze unterstützen die Arbeit des BDP und bieten
die Möglichkeit, den Zwangsdienst in einem sinnvollen und abwechslungsreichen Umfeld zu
leisten. Die Arbeit im BDP ist für hauptamtliche MitarbeiterInnen charakterisiert durch
transparente Strukturen, vorausschauendes und eigenverantwortliches Handeln und
interdisziplinäre Aufgabengebiete auf Grundlage der Absprachen mit den
Entscheidungsgremien.
Ein Einstieg für neue Hauptamtliche, Zivildienstleistende, ABM-Kräfte und
Strukturehrenamtliche wird jährlich auf einer Tagung mit dem Titel „Der gläserne BDP“
ermöglicht. Darüber hinaus finden regelmäßig Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie
bei Bedarf Supervisionen statt.
Der BDP bemüht sich, Teilzeitarbeitsplätze und flexible Arbeitszeiten nach den Bedürfnissen
seiner Hauptamtlichen anzubieten.


4.3 Gremien und innerverbandliche Demokratie
Innerverbandliche Demokratie beginnt in den Gruppen vor Ort. Dort sind
Gruppenversammlungen und Vollversammlungen die Formen demokratischer
Willensbildung. Entscheidungen werden möglichst nach dem Konsensprinzip getroffen. Die
Belange der Frauen und Männer werden auf Antrag geschlechtsgetrennt diskutiert.
Gremien auf Landes- und Bundesebene werden nach dem Delegiertenprinzip gebildet.
Delegierte für Gremien auf allen Ebenen werden von den jeweils zuständigen
Untergliederungen gewählt. Sie haben unabhängig von Alter und Status gleiche Rechte. Es
gibt jedoch die Empfehlung, dass die Delegierten und Vorstände unter 27 Jahre alt sein
sollen.


4.4 Offenheit gegenüber freien Initiativen
Der BDP ist ein offener Jugendverband. Er ist kein feststehendes Gefüge, das neuen
Einflüssen von außen verschlossen bleibt.
So bietet sich der BDP als Kooperationspartner an. Er unterstützt bei Bedarf praktische
Projektarbeit freier Initiativen vor Ort, berät, hilft bei ersten Gehversuchen. Solche kleineren
Initiativen, die unabhängig bleiben wollen, haben es oftmals schwer, der Konkurrenz, die
auch auf dem Gebiet der Jugendarbeit herrscht, längerfristig standzuhalten. Doch erst die
Vielfalt unterschiedlicher Angebote ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, wirklich eine
Wahl zu treffen.
Seine Vielschichtigkeit erlaubt es dem BDP, Kooperationspartnern die Möglichkeit zu bieten,
als eigenständiges Projekt im BDP zu bestehen und ein eigenes Profil zu entwickeln. Der
BDP ist eine Art geschützter Raum, in dem Vereine, Initiativen und Projekte
eigenverantwortlich arbeiten können und gleichzeitig Unterstützung erhalten, bei einem
hohen Maß an Selbstständigkeit. Jede Zusammenarbeit findet auf der Grundlage der
Satzung und der Plattform des BDP statt.

4.5 Kooperation Ost-West
In der Bevölkerung der alten Bundesrepublik ist eine Arroganz gegenüber den neuen
Bundesländern festzustellen. Eine Auseinandersetzung mit den neuen Gegebenheiten seit
dem 9.11.89 findet allzu häufig nicht statt. Eine hohe Arbeitslosenquote und die daraus
resultierenden sozialen Unsicherheiten stellen die Menschen in den neuen Bundesländern
vor unbekannte Lebenssituationen. Die Orientierungslosigkeit großer Teile der Jugend,
hervorgerufen durch starken Mangel an Ausbildungsplätzen sowie den Wegfall früherer
Sicherheiten ist im Osten Deutschlands besonders ausgeprägt. Alle BDP-Gruppen in den
neuen Bundesländern mussten sich auf eine neue Geschichte einlassen, die ihnen
größtenteils fremd war. Der BDP mit seiner speziellen Verbandsentwicklung nach 1968
entsprach oftmals nicht dem Bild eines traditionellen Pfadfinderverbandes. Dies und die
Tatsache, dass wir gemäß unserem Verständnis Interesse an gleichberechtigter
Zusammenarbeit statt vorgegebener Orientierung zeigten, machte es vielen schwer zu uns
zu finden.
Am BDP zeigten hauptsächlich Menschen Interesse, die aktiv und engagiert in die
Neugestaltung der Gesellschaft eingreifen wollten. Für sie war es besonders interessant, im
BDP einen Kinder- und Jugendverband gefunden zu haben, der ihnen große
Gestaltungsspielräume in der Arbeit vor Ort bot. Den wichtigen Austausch von Erfahrung und
Kenntnissen aus der Kinder- und Jugendarbeit zwischen Verbandsmitgliedern aus Ost und
West versuchen wir bis heute, zu einer fruchtbaren Weiterentwicklung unseres Verbandes zu
nutzen. Kooperationen zwischen Ost und West müssen in Zukunft intensiviert werden, um
sich gegenseitig verstehen zu können. Eine Annäherung der teilweise noch
unterschiedlichen Auffassungen und Positionen ist ohne verstärkte Kooperation nicht
möglich.


5. Schlussbemerkung
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verschlechterung der Lebensbedingungen von
Kindern und Jugendlichen durch Sozialabbau, Einengung der Lebensräume und
krankmachende Umweltbedingungen engagiert sich der BDP gegen die Marginalisierung
von Kindern und Jugendlichen.
Der BDP setzt weiterhin auf das Prinzip der Selbstbestimmung und Selbstorganisation
Kinder und Jugendlicher in Cliquen und Gruppen. Kinder und Jugendliche werden ermuntert,
und es werden ihnen Wege aufgezeigt, wie sie den Schritt von KonsumentInnen zu
engagierten MitgestalterInnen in Gesellschaft und Politik machen können.
Der BDP setzt sich ein für die gesellschaftliche Anerkennung des ehrenamtlichen
Engagements, ohne das selbstbestimmte Jugendarbeit unmöglich ist. Durch
geschlechtsspezifische Erziehung ermöglicht er die Rollenfindung und tritt ein für
partnerschaftliche Beziehungen zwischen Frauen und Männern, Schwulen und Lesben.
Besonderes Gewicht legt der BDP auf die Einbeziehung jugendlicher Menschen
nichtdeutscher Herkunft und auf die deutsch-deutsche Integration, die noch lange keine
Selbstverständlichkeit ist. Der BDP versteht sich als politischer Jugendverband und setzt
dies in seiner täglichen Arbeit um.